Lesung "Der Tropfen weiß nichts vom Meer" von Mahbuba Maqsoodi und Hanna Diederichs

Zu einer literarischen Reise in den Orient lud die Frauenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Integrationsministerin Emilia Müller, die Mitglieder ihres Frauennetzwerkes SIE-Bayerns Frauen am 04.10.2017 ein. Im Literaturhaus München lasen Mahbuba Maqsoodi und Hanna Diederichs aus ihrem Buch „Der Tropfen weiß nichts vom Meer“.

Hinter diesem geheimnisvollen Titel steht die Lebensgeschichte von Mahbuba Maqsoodi - ein bewegendes Flüchtlingsschicksal. Vor allem aber die Geschichte einer außergewöhnlich mutigen Frau, die zeigt, dass die Stärke von Frauen keinerlei Grenzen kennt.

Mahbuba wuchs in einer Familie mit sieben Töchtern auf – und das in Afghanistan – in einer Gesellschaft, in der Frauen „weniger Wert“ sind als Männer. Dank ihrem Vater, der alle seine Mädchen gleichermaßen liebte und respektierte, blieb ihr das Schicksal tausender afghanischer Mädchen erspart: Ihre Eltern haben sie nicht verkauft, und ihren Mann konnte sie selber wählen. So konnte sie sich frei entfalten und das Selbstbewusstsein entwickeln, sich in ihrer Heimat Afghanistan schon früh für die Rechte von Frauen zu engagieren.

Als ihre Schwester von einem islamistischen Terroristen erschossen wird, kommt alles ins Wanken und Mahbuba verlässt ihr Land. Mit einem Kunst-Stipendium verschlug es Mahbuba dann für vierzehn Jahre in die damalige Sowjetunion. Der schreckliche Bürgerkrieg und die grausame Herrschaft der Mudschaheddin machten es ihr und ihrer Familie unmöglich, nach Hause zurückzukehren.

Eine neue Heimat fanden Mahbuba, ihr Mann und ihre zwei Söhne schließlich im Asyl in Deutschland. Zwanzig Jahre ist das jetzt her. Inzwischen ist sie eine international erfolgreiche Künstlerin und eine Frau, die trotz vieler Schicksalsschläge stets aufrecht ihren Weg gegangen ist – egal wie steinig er gerade war.

 „Sie ist eine Frau, von der wir alle lernen können. Sie ist eine Muslima, die heute für Kirchenfenster katholische Heilige und biblische Szenen gestaltet. Sie ist eine Afghanin, die auf ihrer Lebensreise durch die afghanische, russische und deutsche Kultur erkannt hat, dass wir trotz aller Unterschiede immer Menschen sind“, betonte die Integrationsministerin in ihrer Begrüßungsrede.

Geschrieben hat Mahbuba Maqsoodi das Buch zusammen mit Hanna Diederichs, die das Manuskript aus dem Persischen ins Deutsche übersetzt hat, ohne selbst Persisch zu sprechen. Die beiden gaben spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Buches und berichteten über ihre inzwischen tiefe afghanisch-deutsche Freundschaft.

Nach der sehr emotionalen Lesung, moderiert von Daniela Arnu vom Bayerischen Rundfunk, wurde in einer Gesprächsrunde klar, dass die Botschaft des Buches ist: Ganz egal, was du tust, bleib dir treu.

„Für uns Frauen gilt das umso mehr! Wir müssen authentisch bleiben und dabei noch selbstbewusster und mutiger werden! Wir müssen die Chancen ergreifen, die uns geboten werden und erkennen, was wir zu leisten im Stande sind! Dabei sollten wir einander bestmöglich unterstützen. Und dazu brauchen wir Netzwerke wie SIE-Bayerns Frauen. SIE inspiriert Frauen dazu, ihre Potenziale auszuschöpfen und selbstbewusst für ihre Bedürfnisse einzutreten!“, erklärte Müller.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von dem persischen Geigenvirtuosen und Komponisten Karim Tagharrobi, der die orientalischen Streichinstrumente Kemanche und Ghitchak zum Einsatz brachte.

Im Anschluss lud Staatsministerin Müller zum Empfang ein und die Teilnehmerinnen hatten Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken.

Fotos: StMAS / Nikolaus Schäffler